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  Porto für Briefe: Seit 1856 gibt es in Mecklenburg eigene Freimarken. Diese bleiben bis zur Übernahme des mecklenburgischen Postwesens durch den Norddeutschen Bund 1869 in Ge-brauch. Das Briefporto von Parchim nach Plau, Schwerin, Ludwigslust, Marnitz usw. kostet zu dieser Zeit (1866) einen Schilling. Bei weiteren Entfernungen ist diese Gebühr höher. So kostet das Porto nach Hamburg, Lübeck und Rostock drei Schillinge. Briefkästen gibt es damals am Postge-bäude - das ist seinerzeit das Haus Mühlenstraße Nr. 36 -, am Hotel de Russie Am Mühlenberg, am Hotel Hamburger Hof in der Linden- Ecke/Tempelstraße, am Hause der Bäckermeisterwitwe Hilgendorff in der Langen- Ecke/Bleicherstraße und am Gebäude der Elementarschule. Ursprüng-lich befindet sich dieser Briefkasten am Rathaus; da aber hier auch viele Schreiben, die für den Magistrat bestimmt sind, hineingeworfen werden, mußte er dann am gegenüberliegenden Schulg-ebäude angebracht werden. Geleert werden die Briefkästen in diesen Jahren um 10,00 Uhr, 13,30 Uhr und 19,30 Uhr.
 

Das Postgebäude - um 1883
Postgebäude: Bis zur Inbetriebnahme des Postgebäudes am Schuhmarkt 1883 ist das "Postcontor" im vorigen Jahrhundert nacheinander an sieben verschieden Stellen untergebracht Es befindet sich wohl immer in dem Haus, in dem der derzeitige Postmeister wohnt. Das neue Postgebäude ist ein ansprechender Bau im Stil der Neorenaissance. Der Baumeister, H. Stier, Professor an der Technischen Hochschule Hannover, ist seinerzeit ein bekannter Architekt, der auch für verschiedene Städte Post-, Schul- und Bahnhofsgebäude entworfen hat. Das
  hiesige Postgebäude wird dann 1910 auf der Seite zum Schuhmarkt um drei Achsen erweitert. (Diesen Anbau kann man noch heute an helleren Einzelheiten erkennen.
Embleme am Turm des Postgebäudes 
 

Ein bespannter Paketwagen in der
Buchholzallee - Aufnahme aus den 50er Jahren
Postverkehr: Regelmäßige Postverbindungen nach Schwerin, Güstrow und Rostock, die wöchentlich oder an bestimmten Tagen verkehren, bestehen seit dem 17. Jahrhundert. Es sind Boten- oder Reitposten, aber auch Fahrposten bringen damals Personen, Briefe und Güter zum Bestimmungsort. Die Beförderung wird lange Zeit durch die Mitglieder des Reihefahreramtes durchgeführt, die die Fuhren der Reihe nach übernehmen. Der Mecklenburgische Staatskalender von 1793 weist aus, daß es in Parchim - als einzige Stadt im Lande - ein Landesherrlich-privilegiertes Reihefahreramt gibt. Die Postzustellung entspricht aber nicht immer den Wünschen der Brief-
  kunden. So wird von Parchimer Kaufleuten seinerzeit darüber geklagt, daß die Güstrower Post teilweise erst mit drei bis vier Stunden Verspätung ankommt, und so oft wichtige Geschäfte nicht durchgeführt werden können. Auch wird darüber geklagt, daß bei der Ankunft der Personenposten "müßige Gaffer" die Tätigkeit der Postbediensteten behindern. Da es später Schwierigkeiten mit dem Reihefahreramt gibt, das u.a. ein höheres Meilengeld fordert, wird 1838 ein Posthalter berufen, der nun die Fuhren für die Post durchführt. Noch im Adreßbuch von 1933 ist für Parchim ein Posthalter aufgeführt. Mit der Entstehung der Eisenbahnlinien wird der Bahntransport von der Post genutzt. Es gibt hier besondere Abteile, in denen Postbedienstete während der Fahrt die Postsendungen bearbeiten. Dieses ist sogar auf der einstigen Strecke Parchim-Suckow(Grenze) der Fall. Auch mit Kraftfahrzeugen werden dann Fuhren für die Post durchgeführt. Nach 1945 bediente sich die Post im Stadtverkehr ebenfalls noch eine Zeitlang pferdebespannter Fahrzeuge. 
  Pranger:  Kaak.
  Preise und Löhne zum Anfang unseres Jahrhunderts: Ab 1.1.1874 werden die Mark (MK.) und der Pfennig (Pfg.) die Grundlage der Währung. Doch der Taler ist noch lange Zeit die Bezeich-nung für 3 Mark. In Zeitungsanzeigen werden damals vielfach Nahrungsmittel mit Preisangabe ange-boten. In Zeitungen von 1905 werden zum Beispiel folgende Preise angegeben: Hochfeine Tafel-butter 1 Pfd. (Pfund = 500 Gramm) zu 1,25 MK.; fetter Speck 1 Pfd. zu 85 Pfg.; Kunsthonig zu 28 Pfg.; Sommerfanghering 1 Stück zu 5 Pfg. Die verbreitete Kartoffelsorte Magnum bonum kostet im Herbst 1 Ztr. (Zentner = 100 Pfd.) 1,50 MK. Der "Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter" wird 1903 für den Bereich des Großherzogtums wie folgt festgelegt: männlicher Arbeiter über 16 Jahre 2 MK., weiblicher Arbeiter 1,16 MK., jugendlicher Arbeiter männlich = 0,94 Mk. weiblich 0,80 MK.
  Preußische Pfandadministration: Im Zusammenhang mit den kriegerischen Unruhen, die seit 1713 durch die Maßnahmen des Herzogs Karl Leopold entstehen, der versucht, die absolute Herr-schaft im Lande zu gewinnen, schickt der preußische König 1733 Truppen nach Mecklenburg. Sie sollen den Herzog in seinem Zufluchtsort, Festung Dömitz, beschützen. Diese Truppen kommen auch nach Parchim, und so beginnt hier die über ein halbes Jahrhundert dauernde preußische Be-satzungszeit. Denn als Entschädigung für die entstandenen Kosten, die durch die Truppenentsen-dung entstanden sind, müssen die Ämter Plau, Marnitz, Eldena und Wredenhagen an Preußen ver-pfändet werden. Parchim wird Sitz der Pfandadministration, und hier befinden sich auch die meisten Truppen, die die wirtschaftliche Ausbeutung der verpfändeten Ämter sichern sollen. Besonders ver-hängnisvoll für die Bewohner ist die brutale preußische Soldatenwerbung. Ein Zeitgenosse berich-tete: "Die Leute wurden ohne Unterschied des Standes und des Alters, sie mochten verheiratet oder unverheiratet sein, wegekapert." Bei einem Auftreten in dem Kämmereidorf Matzlow werden 1734 die Werber von bewaffneten Bauern verjagt und einige der Menschenfänger verwundet. Der preu-ßische Befehlshaber im Lande, General von Schwerin, der früher in mecklenburgischen Diensten war, zwingt darauf den Parchimer Rat, die "schuldigen" Matzlower zu bestrafen. Erst nach dem Tode des preußischen Königs Friedrich II. können die vier Ämter 1787 für 172 000 Taler wieder eingelöst werden.     Hauptquartier der preußischen Truppen
  Pribislaw II.: Pribislaw, Herr zu Parchim, ( gestorben 1272 ?) nennt sich in Urkunden auch Herr von Richenberg (nach einer Burg an der Warnow). Pribislaw muß wegen seines anmaßenden und gewaltätigen Wesens außer Landes gehen und auf alle seine Ansprüche hier verzichten. In der Ver-zichtsurkunde nennt er sich dann Pribezlaus, dei gratia Dominus in Wollin, dictus de Slavia 
( Pribislaw von Gottes Gnaden Herr in Wollin, genannt von Wenden).    Herrschaft Parchim
  Promenade: Als die Wallanlagen keinen militärischen Wert mehr besitzen, wird der äußere Wall seit dem 18. Jahrhundert allmählich in eine Promenade umgewandelt. Zuerst wird 1729 das Wege-stück vom Kreuztor bis zur Gegend beim Alten Friedhof mit zwei Reihen Linden bepflanzt. Es folgt 1782 die Bepflanzung des Abschnittes bis etwa zur Goetheschule mit Linden und Kastanien. Das Wegestück bis zum Wockertor wird 1809 mit Pappeln bepflanzt. Die Parchimer sind damals auf diese Promenadenallee sehr stolz; und es ist auch heute noch ein Weg, der zur Erholung einlädt.
  Pulverturm: Auf dem Eichberg wird 1838 ein Pulverturm er-richtet, in dem die hiesigen Kaufleute ihre gefahrbringenden Güter lagern können. Bis dahin wurde das Pulver in einem Turm der Stadtmauer in der Nähe des Neuen Tors aufbewahrt: aber die Nähe zu Wohnhäusern wird nun als zu gefährlich eingeschätzt. Der Pulverturm auf dem Eichberg, der schon lange ungenutzt ist, wird dann 1930 abgebrochen, um Platz für den Ehrenhain für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu schaffen. 

Putlitzer Straße:
Seit 1990 die Benennung der Ausfallstraße vom Moltkeplatz aus in die südliche Richtung - bis zur Einmündung der Kleinen Kemnadenstraße-. Dieses ist der Verlauf der 1866/67 errichteten Chaussee nach Putlitz. Von 1872 bis 1945 heißt sie Friedrich-Franz-Straße und dann Karl-Marx-Straße.

Pütt:  Ökelname.



Der Pulverturm auf dem                 
Eichberg - abgebrochen 1930      
  

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