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| Kracht: Hermann Kracht, Lehrer und Heimatforscher, (1881 - 1963) ist zu seiner Zeit, neben seiner Schultätigkeit, auf vielen Gebieten wirksam. Er ist zeitweise Stadtverordneter, leitet die Volksbücherei und er ist über Jahre Vorsitzender des MTV (Männerturnverein). Unter seiner Leitung entsteht auf einem sumpfigen Gelände der 1926 eingeweihte heutige Jahnsportplatz. Seine besonderes Interesse gilt aber schon immer der Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt und ihrer Umgebung; dieses versucht er auch seinen Schülern zu übermitteln. Kracht hat sich auch um das Parchimer Stadtarchiv sehr verdient gemacht, indem er große Aktenbestände 1945 vor Vernichtung rettet. Nach jahrelangen Aktenstudien hat er u. a. Aufzeichnungen über die Parchimer Kavel, Flur- und Straßennamen angefertigt, die handschriftlich vorliegen. Seine umfangreichste Arbeit ist wohl die Broschüre "Großbrände in Parchim und ihr Einfluß auf die Gestaltung des Stadtbildes". | |||
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Krämerstraße: Der Abschnitt der Langen Straße von der St. Georgenkirche bis zur westlichen Eldebrücke wird in einem Stadtplan von 1828/29 als Kramerstraße bezeichnet. (Umlautstriche werden früher oft nicht mitgeschrieben.) Die "Kremerstrate" kommt schon 1496 im Schriftverkehr vor, und in einer Beschreibung Parchims, die 1857 erscheint, wird die Kramerstraße auch noch genannt .Im Adreßbuch von 1873 ist sie dann ein Teil der Langen Straße. Unter den Krämern sind hier - im Unterschied zu den Hökern - die Händler zu verstehen, in deren Händen damals der gewinnbringende Außenhandel der Stadt liegt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Ausfuhr von Hopfen, Korn und Vieh und die Einfuhr von Salz, Gewürzen und Heringen. |
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Krankenhaus: Als früheste Einrichtung zur Aufnahme von kranken Menschen kann man den St. Nikolaistift ansehen, der bis 1690 in der Nähe des heutigen Schlachthofes besteht. Bei einer Visitation (Unter-suchung) 1563 wird bestimmt, daß hier "Contagiose (ansteckende Krankheit) und sonderliche siechen Leute" Aufnahme finden sollen. Im Zusammenhang mit einer drohenden Cholera-Epidemie wird 1831 in dem damaligen Gebäude auf dem Grundstück Rosen- |
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straße-Ecke-Am Kreuztor ein Krankenhaus eingerichtet. Dieses im städtischen Besitz befindliche Haus wird aber schon vorher als Lazaretthaus bezeichnet; vielleicht hat es diesem Zweck schon seit der preußischen Pfandbesetzung 1733 -1787 gedient. Ein neues Krankenhaus wird dann 1855 in dem Gebäude Bauhof- Ecke Alte Mauerstraße mit sieben Krankenzimmern und einer Badestube geschaffen. In der Blustraße Nr.1. wird 1869 - gegen den Widerstand vieler Anwohner - ein Militär-Lazarett eingerichtet; es besteht bis 1920. Am 11. Juni 1905 wird das städtische Kranken-haus in der John-Brinckman-Straße eingeweiht. Die erste Anregung hierfür kommt schon etwa 10 Jahre vorher von einer Parchimerin, die auch veranlaßt , daß ihr Vater eine beträchtliche Summe für den Bau zur Verfügung stellt; andere Parchimer spenden ebenfalls und der Rest der erforderlichen Summe kommt aus der Stadtkasse. In diesem Krankenhaus sind dann ein Arzt, der noch eine Praxis in der Stadt hat, zwei Schwestern und ein Krankenpfleger ständig tätig. Es verfügt über 33 Betten und ist entsprechend den Erkenntnissen der Zeit ausgerüstet. Im Verlauf seines nun beinahe hunderjährigen Bestehens hat diese Einrichtung, seit 1945 Kreiskrankenhaus, nach mehreren groß-zügigen baulichen Erweiterungen und dem Erwerb weiterer Gebäude in fünf Abteilungen 237 Betten, und es besitzt eine moderne medizinische Ausstattung. St. Nikolaikapelle |
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Kreise - landständische Einteilung:
Die bis 1918 bestehenden mecklenburgischen Landstände, das heißt die
Ritterschaft (die Besitzer der Rittergüter), die Landschaft (die
Bürgermeister als Vertreter der Landstädte) und - bis zur Reformation
- die Prälaten (die höhere Geistlichkeit), sind seit dem Abschluß der
landständischen Union 1523 in den mecklenburgischen, wendischen und
stargardischen Kreis gegliedert. Die landständische Union sichert den
Zusammenhalt Mecklenburgs bei den Teilungen der Herrschaftsgebiete
zwischen den Landesherren. So 1621, als die Herzog-tümer
Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow entstehen und 80 Jahre
später, als das Land in die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz eingeteilt wird. Parchim ist als Vorderstadt der
Wortführer der Städte des mecklenburgischen Kreises. Engerer Ausschuß |
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| Kreise - Einteilung nach Verwaltungsgebieten: Das Grundeigentum des Landesherren, das Domanium, wird bis zur Einführung der Amtsordnung vom Mai 1920 von über 40 Domanialämtern verwaltet; dabei stehen aber vielfach mehrere Ämter unter einem Amtshauptmann. Dieses gilt zum Beispiel für das Amt Marnitz, das seit Anfang des vorigen Jahrhunderts vom Amt Lübz verwaltet wird. Die Ritterschaft mit ihren Gütern bildet etwa 20 eigene ritterschaftliche Ämter mit ent-sprechend Verwaltungsbefugnissen.. Durch die Amtsordnung von 1920 werden nun insgesamt 17 neue Ämter gebildet, an deren Spitze ein von den Amtsvertretern gewählter Amtshauptmann steht. Parchim wird Sitz des Amtes Neustadt, und nach einer neuen Einteilung der Amtsbezirke wird 1925 ein Amt Parchim gebildet. Die Umbenennung der Ämter in Kreise erfolgt 1933, an deren Spitze nun beamtete Landräte stehen. Bei weiteren Änderungen der flächenmäßigen Gebiete der Kreise 1952 und 1994 bleibt jeweils ein Kreis Parchim bestehen. Amt Parchim Amt Neustadt | |||
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Kreuz am Turmdach der St. Marienkirche: In
dem von Fr. Tiefenbruch geschriebenen "Loblied der Stadt
Parchim" heißt es in Bezug auf den Turm der St.
Marienkirche:" Denn auf der gedeckten Spitze trägt sie ein Kreuz,
das gebildet wird aus glasierten Mosaiksteinchen in eingelegter Arbeit,
welches nur erscheint, wenn die Sonne im Sommer die Mitte des Tages
gebrochen hat." (Übersetzt aus dem Lateinischen.) Dieses Kreuz auf
der Westseite des Turmdaches soll man um 1930 bei einem bestimmten Stand
der Sonne aus größerer Entfernung - wohl mit viel Vorstellungskraft -
noch erkennen können. Aber auf einer 1649 angefertigten Zeichnung
Parchims mit der Neustädter Feld-mark ist das Kreuz am Turm der St.
Marienkirche eindeutig zu sehen. Franz-Tiefenbruch-Weg Titelbild: Darstellung von 1649 |
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| Kreuztor: Parchim hat bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts drei mittelalterliche Stadttore, das Kreuztor, Wockertor und Neue Tor. Eine genaue Abbildung besitzen wir nur vom Kreuztor; aber Darstellungen auf alten Stadtansichten zeigen, daß die drei Tore, es sind Doppeltore,seinerzeit alle ein sehr ähnliches Aussehen haben und auch wohl damals im selben Zeitraum errichtet werden. Obwohl keine Zeitangaben vorliegen, kann man diese beim Kreuztor genauer bestimmen. Denn im Fundament des äußeren Kreuztores werden Grabsteine von dem in der Nähe liegenden mittelalterlichen jüdischen Friedhof vermauert. Auf dem jüngsten dieser Steine steht das Jahr 1346. Das Tor kann daher erst nach diesem Zeitpunkt entstehen. Die Zeichnung der Stadtseite dieses Tores zeigt auch Zierelemente - unter dem Giebel - wie sie heute noch an der St. Bartholomäuskapelle, die 1349 gestiftet wird, zu sehen sind. Man kann annehmen, daß damals dieselben Bauleute an beiden Bauwerken tätig sind. Das Innentor steht mit seinem Giebel in Flucht mit der Stadtmauer, und das äußere Tor steht jenseits der damaligen Wall-Graben-Anlage (etwa auf der Mitte |
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| des heutigen Moltkeplatzes). Die Benennung Kreuztor kommt wohl von dem untergegangenen Dorf Cruzen, der ersten Ortschaft, die man früher erreicht, wenn man die Stadt in südlicher Richtung verläßt. Es ist aber auch die Vermutung ausgesprochen worden, daß der Name Kreuztor daher kommt, weil die Teilnehmer an den Kreuzzügen aus großen Teilen des Landes durch dieses Tor mußten, wenn sie auszogen und wenn sie zurückkehrten. Beide Teile des Kreuztores werden 1847 und 1848 abgebrochen; besonders beim Innentor erfolgt dieses unter dem Bedauern vieler Parchimer. Cruzen Mittelalterliche jüdische Grabsteine | |||
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| Kreuztorvorstadt: Ab 1863, nach der Einführung einer neuen Steuergesetzgebung, wird an den Eingängen zur Stadt keine Akzise mehr erhoben. Nun dürfen auch außerhalb der Stadtmauer Wohnhäuser errichtet werden. Es entstehen jetzt vor den früheren Stadttoren Vorstädte, die nach den jeweiligen Toren benannt werden. Zuerst entstehen im Gebiet der Kreuztorvorstadt Wohnhäuser, und hier werden sie zunächst beiderseits der in diesen Jahren gebauten Putlitzer Chaussee, der heutigen Putlitzer Straße, errichtet. Es folgen dann Häuser in der Buchholzallee und der Flörkestraße. Etwa zwei Jahrzehnte später stehen in der Putlitzer Straße 30, in der Buchholzallee 14 und in der Flörkestraße 6 Wohnhäuser. Die rege Bautätigkeit in dieser Vorstadt wird offensichtlich auch, neben der angenehmen Wohnlage, durch die in diesen Jahren hier entstandene Dragonerkaserne beeinflußt. | |||
![]() Blick auf das frühere Kriegsgefangenenlager |
Kriegsgefangenenlager: Im Herbst 1914 wird auf dem Kavallerieexerzierplatz zwischen dem Weg nach Damm und der Eisenbahnstrecke ein Lager für Kriegsgefangene eingerichtet. Es werden hier in den Kriegsjahren bis zu 15000 gefangene Soldaten u.a. aus Belgien, England, Frankreich und Rußland unter-gebracht. Bewacht wird das Lager durch ein Land-sturmbataillon. Für die Unterbringung und Versorgung entstehen hier über 200 Baracken, in denen jeweils 100 Personen einquartiert werden, und die erforder- | ||
| lichen Einrichtungen, wie Küchen, Krankenstuben, Latrinen, Werkstätten usw. Das Lager verfügt in den Baracken und auf den Lagerstraßen über eine elektrische Beleuchtung, die aus einer lager-eigenen Anlage versorgt wird. (Die Stadt erhält erst 1922 den Anschluß an das Elektrisitätsnetz.) Nach Kriegsende sind hier in den Jahren 1920/21 noch annähernd 10000 Angehörige der Roten Armee - teilweise mit Familien-, die in ihrem Krieg mit Polen auf deutsches Gebiet abgedrängt wurden, interniert. Im Herbst 1921 kauft der mecklenburgische Staat die Baracken, um das Material für Siedlungsbauten zu verwenden. Gefangenenfriedhof | |||
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| Kühl: Dr. phil. Fritz Kühl (1896-1968) hat mehrere Schriften zur Geschichte Parchims heraus-gegeben, die sich auch durch ihre umfassenden Anmerkungen zum Text auszeichnen. Sein bedeutendes Werk ist wohl die Broschüre "Parchims Bau- und Kunstdenkmale". | |||
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