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Häuser vom "Parchimer Typ" in der Schweriner
Straße - Ansichtskarte um 1905
Häuser vom "Parchimer Typ" : Ab 1. Oktober 1863 wird an den Eingängen zur Stadt, die zu dieser Zeit noch vollständig von einer Mauer umgeben ist, auf eingeführte Waren keine Akzise mehr erhoben. Nun dürfen auch außerhalb der Stadtmauer Wohnhäuser errichtet werden; und es setzt vor den früheren Stadt-toren eine rege Bautätigkeit ein. Bis zur Jahrhundert-wende werden hier annähernd 250 Wohnhäuser errichtet. Dieses sind teilweise recht repräsentative Gebäude, aber es gibt auch kleinere Bauten, die ohne großen Aufwand entstehen. Diese Häuser haben oft
  im Obergeschoß nur ein vollausgebautes Zimmer, und die übrigen Räume sind "Abseiten" mit einer sehr niedrigen Außenwand zur Straßenseite, kleinen Fenstern und einer schrägen Decke. Sie haben meistens ein flaches Dach mit einer Abdeckung aus Teerpappe. Derartige Häuser findet man auch in dem früheren Kämmereidorf und jetzigen Parchimer Ortsteil Slate. Ein angesehener hiesiger Baumeister bezeichnete diese Bauten einmal als "Parchimer Typ". 
 

Teil einer Inschrift an einem alten Speicher
in der Heidestraße
 
Hausinschriften: Eine Anzahl der Parchimer Fach-werkhäuser haben in den oberen waagerechten Balken, den Schwellen oder Laufsohlen, vielfach Inschriften. Hier wird meistens das Datum der Er-richtung und der Bauherr angegeben. Oft ist auch noch ein Vers aus der Bibel vorhanden. Viele dieser Inschriften sind im Verlauf der Zeit vollständig oder teilweise verwittert. Dieses ist besonders dann der Fall, wenn die Hausfassade über längere Zeit verputzt ist. Aber einige der Hausinschriften sind sorgfältig wiederhergestellt oder erneuert. Diese findet man zum Beispiel an dem Haus Alter Markt Nr.2 , Langestraße Nr. 75 oder Mühlenstraße 38. 
  Hausnummern: Auf Anordnung der Landesregierung bestimmt der Magistrat um 1830 "feste Namen" für die Straßen, und es werden Schilder mit den Straßennamen angebracht. Wohl in diesem Zusammenhang erhalten auch die einzelnen Häuserstraßenweise fortlaufende Haus- oder Straßen-nummern. Diese werden in der Nähe der Eingangstüren mit Farbe auf die Außenwand gemalt. Später werden die rot auf weißem Grund gemalten Hausnummern durch Emailleschilder ersetzt. Außerdem haben alle Grundstücke der Stadt noch eine Stadtbuchnummer. Diese wird um die Wende zun vorigen Jahrhundert aus der Numerierung im Schoßbuch (der Schoß ist eine städtische Vermögensabgabe) abgeleitet. Sie erfolgt fortlaufend durch die ganze Stadt. Stadtbuchnummer 1 hat das Haus Alter Markt Nr.1 und dann geht es weiter bis zur Stadtbuchnummer 791 in der Neuen Mauerstraße. (Dazwischen werden im Laufe der Zeit noch Grundstücke mit dem Zusatz A, B, oder C und auch Grundstücke mit römischen Ziffern eingeschoben.) Die Vorstädte bekommen jeweils eine eigene Numerierung mit dem Vorsatz W (für die Wockertorvorstadt), K (für die Kreuztor-vorstadt) und N (für Neues Torvorstadt). Die gemalten schwarzweißen Blechschilder mit den Stadtbuchnummern werden seinerzeit neben der Haustür im Mauerwerk der Leibung befestigt, Diese Numerierung wird bis in die 30er Jahre beim Besitzerwechsel eines Grundstückes in den entsprechenden Dokumenten angeführt. Die Hausnummern werden 1905 "revidiert". Das bedeutet, daß jeweils die Häuser einer Straßenseite fortlaufende Nummern erhalten. Bisher haben die Häuser in den Vorstädten auf der einen Straßenseite alle immer gerade oder ungerade Nummern; und im übrigen Stadtgebiet sind im Verlaufe der Zeit viele Nummern mit dem Zusatz a, b oder c entstanden. Die verwitterten alten Hausnummern und auch die Stadtbuchnummern kann man bei einigen Häusern noch sehen.    Blechschilder
  Heerdeschaften: Die Hausgrundstücke in der Stadt, früher Erben genannt, sind von alters her - außer in Kaveln -noch in drei Heerdeschaften eingeteilt, in die Wockertor-, Kreuztor- und Neue Tor-Heerdeschaft. Diese Einteilung wird schon aus dem Jahr 1496, hier hersschupp geschrieben, überliefert. Im Laufe der Zeit kommen auch die Schreibweisen Heerschaften und Herdeschaften vor. Ursprünglich ist die Einteilung wohl im Zusammenhang mit der Verteidigung der Abschnitte um die drei Stadttore entstanden. Aber diese Sicht gerät in Vergessenheit, und später bezieht sich diese Einteilung nur noch auf die drei Viehherden der Parchimer. Die Einteilung der Stadt in Heerde-schaften ist in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch gebräuchlich.     Kaveln
  Heide- oder Wüstes Feld: Flurname eines der großen Gebiete, in welche die Parchimer Feldmark von alters her eingeteilt ist. Das Heide- oder Wüstes Feld liegt nördlich der Stadt zwischen der Elde und dem westlichen Ufer des Wockersees mit der Wocker. Die Bodengüte dieser Fläche ist, wie der Name schon sagt, nur gering. Früher liegen hier auch nur "Überäcker", die von den Parchimern zusätzlich zu den Hausäckern erworben werden können. Aber zusammen mit dem Pferdedung, der seinerzeit durch das Parchimer Kavallerieregiment in großen Mengen anfällt, werden auf diesem Boden Spargel ertragreich angebaut. In den 20er Jahren unseres Jahrhunderts sind diese Kulturen dann erschöpft, und sie werden damals nicht wieder erneuert.     Am Spargelacker
  Heidestraße: Die Heidestraße verläuft nördlich der Lindenstraße zwischen der Wocker- und Johann-Jakob-Engel-Straße. Sie wird schon 1496, heitstrate geschrieben, erwähnt. Die Benennung hat sie wohl von dem Heidefeld, von dem sie früher nur durch die Stadtmauer mit dem Wasser-graben und der Kleinen Wiese getrennt ist. àHeide- oder Wüstes Feld
  Heinrich Borwin: Die Siegel von Heinrich Borwin I., Fürst von Mecklenburg, (gest.. 1227) und seinem damals noch lebenden Sohn Heinrich Borwin II., Fürst von Rostock, (gest.1226) hängen ursprünglich an der ältesten überlieferten Privilegienbestätigung für die Stadt Parchim. Der Vater und sein Sohn führen dabei jeweils einen springenden Greif im Siegel. Seit 1218 nehmen die beiden Söhne Heinrich Borwins I. an der Landesregierung teil; aber der zweite Sohn, Nikolaus, stirbt schon 1225. Man kann vermuten, aber nicht beweisen, daß eine frühere Parchimer Privilegienbestätigung, die aber nicht auf uns gekommen ist, auch mit dem Siegel des Nikolaus, der hier einen Stierkopf führt, versehen ist, und daß dieses Symbol dann von der Stadt für ihr Siegel übernommen wird. Über die Hälfte der mecklenburgischen Städte zeigen heute den Stier in ihrem Wappen.
  Hellwerderstraße: Seit 1923 die Benennung der dritten Straße, die vom Dammer Weg - von der Bahnschranke aus gesehen - nach rechts abzweigt; sie wurde nach dem Flurnamen Hellwerder für ein Gebiet hier am Eldeufer ausgewählt.
  Herrenteiche: Die Herren- oder Ratsherrenteiche liegen in der dreieckigen Fläche, die durch den Verlauf der Lübzer- und Fritz-Reuter-Straße mit dem Ostring gebildet wird. Diese Bezeichnung kommt schon 1466 - herendyk geschrieben - vor. In den heute teilweise verlandeten Teichen dürfen wohl früher nur die Mitglieder des Rates der Stadt Fische fangen und Rohr werben.
  Herrschaft Parchim: Bei der Landesteilung, die die Urenkel des Begründers des mecklen-burgischen Herrscherhauses, Pribislaw I., durchführen, wird 1237 die Herrschaft Parchim gebildet. Diese Herrschaft erstreckt sich damals - außer Gebiete im Süden und Nordwesten - im großen und ganzen auf die Fläche des heutigen Landkreises Parchim. Pribislaw II., der Herr Parchims ( in den lateinischen Urkunden meistens "dominus de Parchem" geschrieben), gründet die Neustadt Parchim, Goldberg und Sternberg. Wegen den von ihm angezettelten Grenzstreitigkeiten mit dem Schweriner Bischof, die zu gegenseitigen Gefangennahmen mit Lösegeldforderungen führen, muß er dann letzten Endes 1270 auf alle seine Ansprüche verzichten und abdanken. Die Herrschaft Parchim wird nach etwa drei Jahrzehnten ihres Bestehens zwischen seinen Brüdern und seinem Schwager aufgeteilt.
Pribislaw II.
  Hertel: Der Kammeringenieur C.W.Hertel fertigt 1828/29 einen Plan der Stadt Parchim an. Hier sind auch die damals gebräuchlichen Straßennamen eingezeichnet. In dieser mit großer Sorgfalt angefertigten Arbeit sind die Grenzen eines jeden Grundstückes mit den Stadtbuchnummern eingetragen. Zusammen mit diesem Plan entsteht ein "Register aller zur Stadt Parchim gehörigen Häuser"; dieses Register kann man als Vorläufer eines Adreßbuches ansehen.   Hausnummern
  Herzogslinden: Auf der Fläche zwischen den Einmündungen der Buchholz- und Wallallee in den Moltkeplatz stehen die Herzogslinden. Sie werden 1809 im Zusammenhang mit dem Eintritt des Herzogs Friedrich Franz in die Parchimer Dreiunddreißiger Gilde gepflanzt. Ursprünglich sind es 33 Linden, denn jedem Mitglied der Gilde ist ein Baum zugeordnet, der ein Schild mit seinem Namen trägt. Die Linde in der Mitte der Anlage ist dem Herzog gewidmet; an ihr befindet sich auch ein entsprechendes Schild. Die Einfriedung der Anlage mit Eisenstangen zwischen bläulichen Granit-pfeilern erfolgt 1895. An den Eingängen sind damals die Jahreszahlen 1353 (Gründung der Gilde), 1808 (Eintritt des Herzogs in die Gilde) und 1895 (Jahr der Einfriedung) in die Pfeiler eingemeißelt. Vor kurzem wurden für die inzwischen abgestorbenen Bäume neue Linden gepflanzt und die Umrandung ergänzt.
  Heucke-Stein: Am Weg über den Pathenberg im Buchholz steht in halber Höhe ein Gedenkstein für den Rechtanwalt Otto Heucke (1835-1892), dem langjährigen tatkräftigen Vorsitzenden des 1874 gegründeten Buchholzvereins.      Buchholz       Pavillons und Sitzbänke im Buchholz
  Heussi: Dr. Jakob Heussi, Lehrer am hiesigen Gymnasium, ( 1803 - 1883) ist in seiner Jugend Musterschüler des berühmten Pädagogen Pestalozzi. Nach Lehrtätigkeiten in England und Berlin kommt er 1841 nach Parchim. Heussi entfaltet hier, neben seiner Arbeit am Gymnasium, eine vielseitige Tätigkeit. Er verfaßt u.a. Lehrbücher, gründet eine allgemeine städtische Krankenkasse und schafft eine Vorschußanstalt für kleine Handwerker; er ist 1850 der Parchimer Vertreter in der damals für kurze Zeit bestehenden mecklenburgischen Abgeordnetenkammer. Heussi kann wohl als eine der bedeutensten in Parchim lebenden Persönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts angesehen werden. Seit 1995 gibt es im Neubaugebiet Brunnenfeld II. einen Jakob-Heussi-Weg.
  Hexenprozesse: Zu den dunklen Seiten unserer Geschichte gehören die Hexenprozesse. Diese finden in den früheren Jahrhunderten auch in Mecklenburg statt. So richtig in Schwung kommen sie im Lande durch die Polizeiordnung von 1562. Denn es wird hier gefordert:" ...da Jemand, wes Standes der wäre, sich des Wahrsagens oder anderer Zauberei befleißigen und damit anderen Leuten Schaden und Unglück zufügen würde, daß derselbe mit Feuer gestraft werden soll." Über einen der Prozesse in Parchim berichtet der Chronist F. Joh. Chr. Cleemann:"...1563 starb eine auf Hexerei angeschuldigte alte schwache Frau, Anna Könke, unter der Tortur...die Verwandten (erklären)... daß sie bey dem Verfahren des Rathes sich beruhigen wollen, zumal sie doch ehrlich begraben worden sey." Mecklenburg ist in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts berüchtigt wegen der vielen Hexenprozesse, die hier durchgeführt werden; bei denen meistens die Folter angewendet wird und dann mit dem Flammentod enden. Die letzte Hexenverbrennung in Mecklen-burg findet 1697 statt, und der letzte Hexenprozeß, der aber nicht mehr mit der Todestrafe verbunden ist, wird um 1736 durchgeführt. In vielen Sagen wird die Erinnerung an die Hexen-prozesse überliefert.
  Hindenburgplatz: Die verbreiterte Einmündung der Ziegendorfer Chaussee in das Gebiet um die Schleuse wird in den Adreßbüchern von 1925 - 1937 nach dem derzeitigen Reichspräsidenten als Hindenburgplatz bezeichnet.
  Hinstorff: Detloff Carl Hinstorff, Buchhändler und Verleger, (1811 - 1882) gründet 1831 einen Buchverlag in Parchim. Sein Geschäftslokal befindet sich anfangs in der Lindenstraße und dann, bis der Verlag 1849 die Stadt verläßt, in der Kirchgasse Nr.1. Das heute noch in Rostock bestehende Verlagshaus entwickelt sich damals zu der bedeutendsten Einrichtung seiner Art im Lande. Der Hinstorff-Verlag bringt seinerzeit alle späteren Werke von Fritz Reuter heraus. Seit 1994 heißt eine Straße im Neubaugebiet Brunnenfeld II Hinstorffstraße.
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