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  Feuerlöschgeräte in früherer Zeit: Jede der 24 Kaveln ist von altersher für die Beschaffung und Wartung der Feuerlöschgeräte verantwortlich Der Chronist M.Cordesius schreibt 1670:" Ein jedes Kaveltheil... muß aber dagegen die Brunnen in der Stadt nebest denen dabey gehörigen Zubern/ Eymern/ Feurhacken und Leitern in guten Stande halten/ daß man derselben zur Zeit der Noht könne gebrauchen." Jeder Bürger hat außerdem seinen Feuereimer, einen "leddern Emmer" (ledernen Eimer), im Hause. Nach dem großen Brande von 1612 werden außerdem auf dem Rathause noch 100 "ledderne Noth-Emmer" gelagert. Neben jeder kaveleigenen Wasserpumpe muß ständig eine gefüllte Wassertonne stehen. Diese Tonne ist auf einer Schleppvorrichtung - Slöp genannt - befestigt. Der Pumpenkörper hat immer zwei Wasserausläufe, die sich in verschiedener Höhe befinden. Wenn der untere Auslauf verstopft wird, kann das Wasser über eine Rinne in die Tonne geleitet werden. Etwa ab 1860 wird in Parchim allmählich eine städtische Feuerwehr aufgebaut. Im Oktober 1894 wird dann die Freiwillige Feuerwehr gegründet.
Freiwillige Feuerwehr      Kaveln
  Fichtestraße: Seit 1945 die Benennung der ersten Straße, die von der Putlitzer Straße - vom Moltkeplatz aus gesehen - nach links abzweigt; sie verläuft bis zum Südring. Bis 1939 hieß sie Alexandrastraße und dann Hermann-Göring-Straße.
  Finanzamt wird vom "Alten Fritz" besucht: Im Februar 1927 kommt es im Parchimer Finanzamt zu einem Ereignis, über das wohl ganz Mecklenburg geschmunzelt hat. An diesem Tage hält vor dem Amt, das sich Am Mühlenberg Nr.2 befindet, ein Taxi, dem der "Alte Fritz" mit zwei Begleitern - alle in der entsprechen-den Uniformierung - entsteigen Diese Drei begeben sich durch verschiedene Diensträume, an verdutzten Beamten vorbei, zum Amtsleiter. Als dieser zum Telefon greifen will, wird er angefahren: "Laß Er das!" und "Räsonier Er nicht, das Maß ist voll!" nach weiteren derartigen Äußerungen verlassen die Eindringlinge das Finanzamt. Nachdem ein bestellter Fotograf tätig wird, geht die Fahrt nach Marnitz. Von hier in einem Hotelzimmer ist das ganze Geschehen eingeleitet worden. Ein Parchimer Geschäftsmann hat die ganze Sache organisiert und auch vermarktet. (Eine Fotografie der drei Uniformierten und eine Karte mit einem entsprechenden Gedicht werden in Umlauf gebracht.) Die Angelegenheit zieht dann Gerichtsverhandlungen nach sich. Die drei Eindringlinge werden



Der "Alte Fritz" in Parchim            

  wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung des Amtsleiters zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
  Fischeramt: Zwischen 1230 und 1240 erhalten die Parchimer Fischer eine von den Ratsmännern der Stadt bestätigte Amtsordnung. ( Es ist die drittälteste Parchimer Urkunde überhaupt, die auf uns gekommen ist.) In diesem Dokument sind Festlegungen für das Zusammenleben der Angehörigen des Amtes aufgeschrieben. Dadurch erhalten wir Einblicke in ihr Denken und Handeln. Zum Beispiel wird hier vorgeschrieben, wie man sich bei Krankheit oder beim Ableben eines Amtsbruders verhalten soll und daß man für die Armen spenden muß. Sehr ausführlich werden auch Geldstrafen festgelegt, die über Amtsangehörige bei Fehlverhalten verhängt werden; so bei Schlägereien, wenn sie dabei anderen Verletzungen zufügen, beim Würfeln, wenn sie Kleider unterhalb des Gürtels verspielen, oder beim übermäßigen Trinken, wenn sie auf der Straße in den Kot fallen. Dabei muß man ja davon ausgehen, daß hier nur für solche unerwünschten Handlungsweisen Strafen angedroht werden, die damals durchaus auch vorkommen. Es ist anzunehmen, daß sich in diesem Schriftstück Verhältnisse des Alttags widerspiegeln, die seinerzeit im städtischen Leben durchaus auftreten können, denn in den überlieferten Amtsordnungen der Schuster, Bäcker und Schmiede in Sternberg, die teilweise ein Jahrhundert später ausgefertigt werden, werden gleichlautende Verhaltensweisen gefordert oder Fehlverhalten mit Strafen bedroht.
Fischerdamm
  Fischerdamm: Der Straßenzug Fischerdamm - Mühlenstraße steht auf einem aufgeschütteten Gelände. Um das Wasser der Elde zum Betreiben von Mühlenrädern zu nutzen und um trockenes Bauland zu gewinnen, wird ein Damm vom Mühlenberg bis in die Gegend des Neuen Tors - wohl schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts - aufgeworfen. Denn nun erst kann auch die Neustadt Parchim entstehen. Die Straße zwischen den beiden Eldearmen hat von alters her den Namen Fischerdamm.(Dazu gehören heute auch zwei Gebäude, die jenseits des Wasserlaufes - zum Moltkeplatz hin - stehen.) Der Chronist M. Cordesius schreibt 1670:" Die Fischer unter den Handwerkern sind die Eltesten/ daher ein Ohrt der Stadt der Fischer-Dam genand wird."
Stadtgraben
  Fischerwinkel: Die Häuserzeile, die von der Langen Straße aus am linken Eldeufer entlang zum Mönchhof verläuft - parallel zur Blutstraße auf dem anderen Ufer - hat bis 1901 die Benennung Fischerwinkel. Später erscheinen diese fünf Häuser im Adreßbuch beim Mönchhof. ( 1873 sind es sieben Häuser und zwei Speicher.) Früher ist der Durchgang von der Langenstraße zum Mönchhof sehr viel schmaler; er erhält seine jetzige Breite erst als um die Jahrhundertwende das Eckhaus in der Langenstraße abbrennt und nicht wieder aufgebaut wird.   Mönchhof
  Flörkestraße: Der Bürgerausschuß beschließt 1878 die Anlage einer Parallelstraße zur heutigen Putlitzer Straße. Das Niveau der neuen Straße muß damals zum Moltkeplatz hin um fast 1,4 Meter abgesenkt werden. Die Flörkestraße erscheint 1881 im Adreßbuch. Zu dieser Zeit stehen hier vier Häuser und zwei sind im Bau. Die Straße wird nach dem Bürgermeister Floerke benannt, der 1879 nach 45jähriger Zugehörigkeit zum Parchimer Magistrat verstirbt.( Die eigentliche Schreibweise des Namens mit "oe" setzt sich als Straßenname nicht durch.)
 

Flöße am Eldeufer - Ansichtskarte um 1925
Flößerei auf der Elde: Außer der Beförderung von Gütern mit Frachtkähnen wird früher auch Holz auf der Elde flußabwärts geflößt. Eine Anzahl von entzweigten Baumstämmen wird dabei jeweils zu einem Floß zusammengefügt. Die Fortbewegung von mehreren zusammengekoppelten Flößen erfolgt meistens dadurch, daß mehrere Flößer jeweils das Ende einer langen Holzstange, der Stake, in das Flußbett stoßen und mit den Schultern gegen das andere Ende der Stange drücken, dabei geht jeder auf
  einem Stamm des Floßes entlang. So wird das Floß vorwärts geschoben. Manches Mal werden damals die Flöße für mehrere Tage oberhalb der Stadt am Eldeufer befestigt, denn das Durchschleusen muß sorgfältig vorbereitet werden. Die abgestellten Flöße sind dann ein beliebter, aber nicht ungefährlicher, Tummelplatz für die Jungen aus der Umgebung.    Elde 
  Flugplatz: Auf dem erweiterten Gelände des Kavallerie-Exerzierplatzes zwischen der Landstraße nach Damm und der Eisenbahnlinie nach Spornitz wird seit 1936 ein Militärflugplatz aufgebaut und schon im nächsten Jahr in Betrieb genommen. In den Jahren bis 1945 ist die Flugplatzgarnison teilweise 3000 Personen stark und es herrscht hier ein lebhafter Flugbetrieb. Der Platz zieht wegen seiner Größe und Bedeutung auch Bombergeschwader der Alliierten in die Parchimer Gegend. Von 1953 bis 1992 wird der inzwischen mehrfach erweiterte Flugplatz von Fliegerkräften der Sowjetunion bzw. GUS benutzt. Gegenwärtig wird der Platz als neuzeitlicher regionaler Flughafen ausgebaut.
  Flurnamen: Alle besonderen Flächen und Einzelheiten im Gelände wie Wälder, Erhebungen, Gewässer, moorige Gebiete, auffallende Bäume und Büsche, aber auch große Steine, Wege, abgegrenzte Äcker und Wiesen haben - oft von alters her - eine besondere Bezeichnung, einen Flurnamen. Die Flurnamen sind in vielen Fällen dadurch entstanden, daß die Bezeichnung für eine natürliche Einzelheit (wie Berg, See, Moor) oder eine von Menschen geschaffene Gegenbenheit (wie Kamp, Hof, Weg) mit der Bezeichnung für ein Tier, einer Pflanze, einem Beruf, oder einem Familiennamen verbunden werden. So ergeben sich Flurnamen wie Beesensoll, Lämmerweide oder Bäckerkamp. Sehr häufig sind auf der Parchimer Feldmark Namen in Verbindungen mit Kamp, Soll und Werder. Daneben gibt es aber auch Flurnamen, die nicht in dieses Muster passen; sie bestehen nur aus einer Bezeichnung (wie Bäckler oder Kosar). Mehrere der Flurnamen tragen altes Sprachgut bis in die Gegenwart. Einige der alten Flurnamen entziehen sich - zumal wenn sie slawischen Ursprungs sind - einer inhaltlichen Deutung. Das gilt zum Beispiel für den Wockersee, der schon in einer Urkunde von 1353 als "wokense" erscheint. Es gibt drei umfassende Sammlungen von Parchimer Flurnamen. Diese sind von E.Breitrück (Kartei mit rund 250 Stichwörtern und einer Karte; im Bestand des Museums der Stadt Parchim), H. Kracht (etwa 560 Stichwörter; liegt als Manuskript vor) und W. Zühlsdorff (465 Stichwörter im Flurnamenatlas von Südwestmecklenburg, Akademie-Verlag Berlin 1988). Auf Grund der unterschiedlichen Ausgangsmaterialien stimmen die Sammlungen nicht vollständig überein; sie bilden aber eine gegenseitige wichtige Ergänzung.    Kamp      Soll      Werder
  Formziegel: Formziegel oder Formsteine sind besonders geformte Backsteine, mit denen die Zierglieder bei Backsteinbauwerken gebildet werden; sie haben oft eine Oberfläche mit einer dunklen Glasur. Solche Zierglieder sind zum Beispiel als Umrahmung von Portalen oder als Friese zur Belebung von Wandflächen vorhanden. Dieses sieht man auch bei den beiden großen mittelalterlichen Kirchen in Parchim. Besonders eindrucksvoll sind hier die Formziegel, mit denen der Fries unter der Traufe beim Anbau der St. Marienkirche gestaltet wurde.
  Fotografen: Im Herbst 1862 gründet der Buchbinder H.F.C. Kelting hier in der Wockerstraße das erste ständige Fotoatelier. Wandernde Fotografen sind aber schon in den 50er Jahren in der Stadt tätig. In den folgenden Jahrzehnten arbeiten in Parchim meistens zwei und später auch drei Fotografen. Sie stellen anfangs wohl nur Aufnahmen von einzelnen Personen und von Personengruppen her. Aus den 80er Jahren gibt es dann aber auch Stadt- und Straßenansichten. Dieses sind heute oft Dokumente von unschätzbarem Wert, denn hierdurch erhalten wir vielfach Einblicke darüber, wie verschiedene Gebäude oder Straßenzüge früher ausgesehen haben. Das gilt zum Beispiel für die um 1818 mit Ölfarbe gemalten gotischen Friese am Rathaus oder für Bauwerke, die inzwischen abgerissen wurden, wie das Wockertor oder die Ratsbude. Manche dieser Aufnahmen finden dann seit der Jahrhundertwende als Ansichtskarte eine weite Verbreitung.
  Foucaultscher-Pendelversuch: Die Parchimsche Zeitung berichtet 1854, daß am 27. August in der St. Georgenkirche der berühmte Foucaultsche Pendelversuch von O. Helm aus Halberstadt durchgeführt wurde. Bei diesem Versuch kann mit einem an einem langen Seil pendelnden schweren Gewicht die Drehung der Erde nachgewiesen werden.
  Franz-Tiefenbruch-Weg: Seit 1994 die Benennung der Weiterführung des Straßenzuges der Ebelingstraße in das Neubaugebiet Brunnenfeld II. Der gebürtige Parchimer Franz Tiefenbruch (1609 - 1702) ist lange Jahre am Gymnasium in Jever tätig. Er schreibt 1682 in lateinischer Sprache ein "Loblied der Stadt Parchim". Hier schildert er aus der Erinnerung - teilweise in der überschwenglichen Sprache der Zeit - seine Vaterstadt.   Kreuz am Turm der St. Marienkirche
  Franziskanerkloster: Auf dem Werder, der Flußinsel, der durch die beiden Eldearme gebildet wird, entsteht vor der Mitte des 13. Jahrhunderts ein Franziskanerkloster. Es gehört zur Klasse der Minoriten, die zum Betteln und Predigen verpflichtet sind. Der Chronist. M. Cordesius berichtet 1670, daß die Mönche mit einem Ferkel oder jungen Schwein, das sie Tönniesfarken nannten durch die Straßen zogen. In der Stadt bettelten sie mit den Worten: "Bedenkt der armen Bröder/ un vergetet Tönniesfarken ock nich!" (Die Bezeichnung Töniesfarken weist wohl auf den heiligen Antonius hin; sie kann sich daher auch auf ortsfremde Angehörige des Antoniterordens beziehen, die hier in der Stadt Gaben einsammeln.) Die Mönche sind in der Stadt sehr geschätzt. Sie fertigen für den Rat vielfach Schriftstücke oder Abschriften von wichtigen Urkunden an. Die Mönche haben aber teilweise Streit auch mit den Pfarrherren der beiden Gemeinden . Diese verbieten im Laufe der Jahre mehrfach ihren Pfarrkindern, außerhalb der Kirchengemeinde - also bei den Mönchen - die Beichte abzulegen und das Abendmahl zu empfangen. Schon vor 1553 verlassen die Mönche das Kloster. Geblieben bis heute sind die Bezeichnung Mönchhof für das Gebiet, auf dem die Klosteranlage seinerzeit steht und der Name der Gaststätte "Zum Franziskaner". Aber bei Erdarbeiten auf diesem Gelände stößt man immer noch auf Zeugen des früheren Klosters. So werden 1890 bei Ausschachtungsarbeiten für das Gebäude der Fritz-Reuter-Schule Mauerreste freigelegt, die wohl zum Fundament der Klosterkirche und des Kreuzganges gehörten. Es kommen damals auch 6 bis 8 flache Holzsärge zutage, in denen noch Skelette liegen. Bei Erdarbeiten, die im Sommer 1993 auf dem Schulhof durchgeführt werden, kommen auch wieder mächtige Mauerteile zum Vorschein.
  Freienwalder Schiedsspruch: Im Zusammenhang mit den revolutionären Ereignissen in den Deutschen Landen von 1848 wird in Mecklenburg-Schwerin durch das tatkräftige Wirken demokratischer Männer im Oktober 1849 ein modernes Staatsgrundgesetz in Kraft gesetzt. Es sieht eine konstitutionelle Monarchie vor, und es hebt den spätfeudalen Ständestaat auf. Durch das heftige Drängen der Landstände, besonders der Ritterschaft, entscheidet im September 1850 eine vom Deutschen Bund eingesetzte Kommission - aus Vertretern Preußens, Hannovers und Sachsens-, die in Freienwalde zusammentritt, daß das Staatsgrundgesetz von 1849 ungültig ist und die alte landständische Verfassung wirksam bleibt. Damit sind alle politischen und verfassungsmäßigen Fortschritte null und nichtig. geworden. Der Parchimer Vertreter in der gewählten mecklenburgischen Abgeordnetenkammer, die 1850 für eine kurze Zeit zusammentritt, ist Dr. Jakob Heussi, Lehrer am hiesigen Gymnasium. Es wird berichtet, daß Heussi sich anfangs weigerte den Sitzungsraum zu verlassen, als die Abgeordnetenkammer aufgelöst wurde; er beugte sich erst unter energischem Protest der Gewalt.     Heussiya
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