gehe zur Seite 1 2 3 4 5  / oder am Seitenende mit vorwärts und zurück blättern

 

Das frühere Bahnhofshotel

Bahnhofshotel: Das Bahnhofshotel bei der Schleuse wird 1905 eröffnet. Es steht auf dem Platz des früheren Torwärterhauses beim Neuen Tor. Hier ereignete sich 1926 ein aufsehenerregendes Unglück. Bei einer Schauveranstaltung auf dem Wasserlauf unmittelbar bei diesem Gebäude, die viele Zuschauer anzieht, bricht die Hotelterrasse zusammen, und ungefähr 86 Personen stürzen in das Wasser. Alle Verunglückten werden gerettet. Den Nichtschwimmern kommen beherzte Personen zu Hilfe. Für die Rettungstat erhalten sieben Parchimer ein Belobigungsschreiben vom Mecklenburgischen

 

Staatsministerium. Das Bahnhofshotel wird 1936 im Zusammenhang mit dem Schleusenneubau abgerissen.  

 

Bahnhofstraße: Benennung der Straße, die von Vor dem Neuen Tor bis zu den Bahnschranken verläuft. Sie erscheint zuerst 1906 im Adreßbuch. Damals steht hier nur ein Wohnhaus und die Viktoriamühle, die heute zum Hotel umgebaut ist. Aber kein Jahrzehnt später ist diese Straße schon wie heute bebaut.

 

Der Parchimer Bahnhof - nach 1885, im Vordengrund die Lokomotive "Parchim"

Bahnverbindungen: Nach vielem Hin und Her wird 1880 die Eisenbahnverbindung Parchim - Ludwigslust in Betrieb genommen. Schon seit annähernd zwanzig Jahren sind Pläne im Gespräch, Parchim in das Eisenbahnnetz einzubeziehen. So wird zum Beispiel 1872 im Wallhotel ein Festmahl aus Anlaß der Beendigung der Planung für eine Bahnverbindung Berlin - Kiel über Parchim gefeiert. Aber daraus wird dann nichts. Für die Verbindung nach Ludwigslust stehen anfangs zwei Lokomotiven zur Verfügung, die die Namen "Friedrich-Franz II." und "Moltke"

 

erhalten; beide sind bis 1914 bzw.1918 in Betrieb. Die Mecklenburgische Südbahn, das ist die Weiterführung der Strecke über Waren nach Neubrandenburg, wird 1885 eingeweiht. Damals werden sieben weitere Lokomotiven beschafft; davon bekommt eine den Namen "Parchim". Die Bahnverbindung nach Crivitz wird 1899 eröffnet (eine Verbindung von Crivitz nach Schwerin besteht schon seit elf Jahren). Die Strecke nach Suckow (Grenze) wird 1912 eingerichtet; sie wird dann 1945 als Reparationsleistung abgebaut. Heute erinnert nur noch das frühere Bahnwärterhaus an der B 321 - gegenüber dem Umspannwerk - daran, daß hier einstmals die Eisenbahn die Straße kreuzt. 

 

Die beiden Sandsteinplastiken 
auf den Treppengiebeln

Bankgebäude: Das Bankgebäude auf dem Schuhmarkt wird 1934/35 für die Sparkasse der Stadt Parchim errichtet. Es entsteht nach Plänen des bedeutenden Baumeisters P. Schultze-Naumburg. Ursprünglich ist der Bau verputzt, aber ein Jahr später erhält er sein jetziges Aussehen als Ziegelrohbau. Es ist ein repräsentatives Bauwerk entstanden, das sich gut zwischen dem Rathaus und der St.Georgenkirche einfügt. Dazu tragen auch die beiden Treppengiebel mit den Sandsteinfiguren bei, die, dem Zeitgeschmack entsprechend, als "Nährstand" und "Wehrstand" bezeichnet werden. Die nach Süden in die Ferne  

 

blickende Figur beschattet sich mit der rechten Hand die Augen, mit der anderen hält sie eine Schale, die wohl für die Getreideaussaat bestimmt ist. Die Figur auf dem anderen Giebel trägt eine mittelalterliche Rüstung; das Wappenzeichen auf dem Schild ist der Parchimer Stier.
Schultze-Naumburg

 

Barca: Der Land- und Hofbaumeister J.G.Chr. Barca (1781 - 1826) hat maßgebend das Aussehen der seinerzeitigen Residenzstadt Ludwigslust mitbestimmt. In Parchim hat er den grundlegenden Umbau des Rathauses, und die Errichtung der Landssuperintendentur (Lindenstraße 1) und des Hauses für den Präsidenten des Oberappellationsgerichtes (Blutstraße 5) geplant und geleitet.

 

St.Georgenkirche um 1200

Basilika: Die erste Parchimer Kirche entsteht wohl um die Wende zum 13. Jahrhundert; sie wird knapp 100 Jahre später durch einen Brand zerstört. Diese Kirche ist eine Basilika, das ist eine Bauform, bei der das Mittelschiff die Seitenschiffe überragt. Damals werden die noch nach dem Brand erhaltenen Teile des alten Baues in den Neubau einbezogen. An der Turmseite der heutigen St.Georgenkirche kann man noch Elemente der früheren Basilika erkennen.
St. Georgenkirche 
 

 

Bauhofstraße: Die Bauhofstraße führt vom Ziegenmarkt zu dem früheren städtischen Bauhof, der sich seinerzeit unmittelbar an der Stadtmauer befindet. In dem Stadtplan von 1829 ist dieser Straßenname schon angegeben und am Ende der Straße an der Mauer sind ein Materialhaus und ein Holzhof eingezeichnet; das hier gegenüberliegende Eckhaus ist als Bauschreiberwohnung ausgewiesen. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts wird der städtische Bauhof auf den teilweise aufgeschütteten Plümper - auch Plümper Wiese genannt - beim Fischerdamm verlegt. (Mit Plump wird eine Stelle im Gelände bezeichnet, die zeitweise unter Wasser steht.) Heute befinden sich hier ein Parkplatz, eine Anlegestelle für Wasserwanderer und eine Sporthalle ist im Entstehen.

 

Behm: Alexander Behm, Physiker, (1880 - 1952), besucht acht Jahre das Parchimer Gymnasium. Er konstruiert 1913 das Echolot - Behmlot -, bei dem Schallwellen reflektiert und deren Laufzeit dann ausgewertet wird. Nach diesem Prinzip, aber mit elektromagnetischen Wellen, wirkt das zwanzig Jahre später eingeführte Radar. Behm ist seinerzeit auch ein leidenschaftlicher Angler, und er entwickelt für diesen Sport die "Behm-Fliege". Zur Entwickelung des Echolotes soll Behm durch die Katastrophe des Luxusdampfers Titanic angeregt worden sein, der 1912 nach dem Zusammenstoß mit einem Eisberg versinkt; bei diesem Unglück ertrinken über 1500 Menschen.

 

Bergstraße: Bezeichnung der Verbindung zwischen dem Ostring und und der Straße Am Barch-seemoor. Bis 1990 heißt sie einige Jahre lang Willi-Hackbarth-Straße, nach einem im Spanischen Bürgerkrieg Gefallenen.

 

Berufsschule: Die berufliche Schulbildung kann in Parchim auf eine 176jährige Geschichte zurück-blicken, denn 1821 richtet die hiesige Freimaurerloge eine Sonntagsschule für Handwerkerlehrlinge und Gesellen ein. Es werden damals Schreiben, Rechnen, Zeichnen, deutsche Sprache und Tech-nologie behandelt, und der Unterricht wird von interessierten Bürgern durchgeführt. Im April 1837 wird eine städtische Gewerbeschule gegründet, die dann mit der Sonntagsschule vereinigt wird. Es unterrichten nun Lehrer der Parchimer Schulen und Handwerksmeister. Um 1910 wird noch eine besondere Kaufmannsschule eingerichtet. Nach 1920 werden beide Schulen von Lehrern geleitet. Nach 1945 erhält die Berufsschule, die nun alle Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr besuchen müssen, ein eigenes Haus; es ist das frühere "Müllerhaus" auf dem Fischerdamm. Ab 1950 wird am nördlichen Ende der Eldestraße ein neues Gebäude für die Berufsschule errichtet. Es unterrichten hier nun ausgebildete Fachlehrer. Im Verlauf der 50er Jahre werden für den Unterricht Fachkabi-nette eingerichtet, die seinerzeit dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Bis zur Gegenwart wird die Parchimer Berufsschule mehrfach erweitert und den Anforderungen der Wirt-schaft angepaßt.

 

Gemalte Girlande aus der Biedermeierzeit
- im Museum der Stadt Parchim

Biedermeierzeit: Der Zeitraum von etwa 1815 bis 1848, der später als die Biedermeierzeit bezeichnet wird, hat auch in Parchim gewisse Zeugnisse hinter-lassen. Das beliebteste Schmuckmotiv der Bieder-meierzeit ist die Blume. Man sieht stilisierte Blumen-ornamente als Bestandteil der Verzierung noch ver-schiedentlich an den Haustüren, die wohl in jenen Jahrzehnten von den hiesigen Handwerkern angefertigt werden. Dieses gilt u.a. für die Türen der Häuser Lange Straße 24, Lindenstraße 3 und Am Mühlenberg 2. In mancher Wohnung mögen auch noch die zier-

 

lichen aber soliden Möbel aus dieser Zeit stehen. Im hiesigen Museum ist eine auf die Wand gemalte bunte Blumengirlande von damals erhalten geblieben. Hier in der Ausstellung befindet sich auch ein Bild Parchims, das die genauen Formen und lebensfrohen Farben zeigt, wie sie in der Biedermeierzeit üblich sind; und im Vordergrund sieht man Personen, die nach der gefälligen Mode jener Jahre gekleidet sind. 

  Bierträger:  Ratsdiener
 

Birkenallee: Im Zusammenhang mit Einrichtung des Gesundbrunnens am Nordabhang des Sonnenberges wird 1825 ein besonderer Weg zu dieser Erholungs- und Vergnügungsstätte an-gelegt. Dieser Weg führt vom Kreuztor aus entlang der Strecke der späteren Buchholzallee zum Südrand des Bucholzes und biegt dann nach knapp 500 Metern in die südwestliche Richtung zum Sonnenberg hin ab. Die letzte Strecke des Weges - vom Buchholz bis zur Brücke über die Elde - wird mit Birken bepflanzt und so als Allee gestaltet. Obwohl schon kurz nach der Jahrhundertwende die Birken durch Kastanien ersetzt werden, verwendet der Volksmund noch heute verschiedentlich die Bezeichnung Birkenkenallee.    Kastanienallee

  zurückzum Seitenanfangvorwärts